Die vier Fragen vor jedem Nachtladen
Bei guter Prognose sollte im Akku Platz für Solarstrom bleiben.
Ein niedriger SOC und eine notwendige Reserve sprechen eher für Nachladen.
Nicht der billige Preis allein zählt, sondern der Abstand zum später vermiedenen Netzbezug.
Lade- und Speicherverluste machen aus 18 ct/kWh nicht automatisch 18 ct/kWh nutzbar im Akku.
Ein einfaches Rechenbeispiel
Angenommen, dein dynamischer Tarif bietet nachts 18 ct/kWh. Später am Tag würdest du 32 ct/kWh bezahlen. Der Speicher lädt mit einem angenommenen Wirkungsgrad von 92 %.
18 ct/kWh ÷ 0,92 = rund 19,6 ct/kWh effektiv im AkkuDer rechnerische Abstand zu 32 ct/kWh beträgt damit etwa 12,4 ct/kWh. Erst danach kommen deine Sicherheitsmarge und ggf. weitere variable Kosten ins Spiel.
| Wert | Beispiel | Bedeutung |
|---|---|---|
| Günstiger Preis | 18 ct/kWh | Preis im Ladefenster |
| Wirkungsgrad | 92 % | Verlust beim Laden/Speichern berücksichtigt |
| Effektiver Ladepreis | ca. 19,6 ct/kWh | vereinfachter Preis der nutzbaren Akku-kWh |
| Späterer Preis | 32 ct/kWh | Netzbezug, den der Akku später vermeiden soll |
Warum 100 % oft die falsche Antwort sind
Der wichtigste Denkfehler lautet: „Wenn Strom billig ist, mache ich den Akku voll.“ Das ignoriert den Wert der nächsten Solar-kWh. Kommt am Vormittag viel Sonne, kann ein nachts auf 100 % geladener Speicher den Eigenverbrauch sogar verschlechtern.
Drei typische Situationen
1. Wintertag, kaum PV erwartet
Der Akku steht bei 20 %, die Prognose ist schwach und nachts gibt es ein deutlich günstigeres Preisfenster. Hier kann ein begrenztes Nachladen auf zum Beispiel 60–80 % sinnvoll sein.
2. Klarer Sommertag
Der Akku steht bei 35 % und für den Vormittag werden mehrere kWh Solarertrag erwartet. Dann ist es häufig sinnvoller, auf Netzladen zu verzichten und Platz für PV zu lassen.
3. Extrem günstige oder negative Börsenpreise
Das kann attraktiv sein, aber dein Endkundenpreis besteht je nach Tarif aus mehr als dem Börsenpreis. Deshalb immer den tatsächlich abgerechneten Arbeitspreis bzw. die für dich relevanten Preisbestandteile verwenden.

Der Felix Speicherkapitän verbindet SOC, PV-Prognose, Verbrauch, Wirkungsgrad und Strompreise und schlägt daraus ein Ziel-SOC vor.
Mit Home Assistant wird daraus eine Automation
Home Assistant kann Speicherstand, PV-Prognose und dynamische Preise zusammenführen. Ob der Akku tatsächlich aus dem Netz geladen werden kann, hängt aber vom Speicher bzw. Wechselrichter und dessen Integration, API oder Modbus-Schnittstelle ab.
Das Ziel ist keine starre Uhrzeit, sondern eine Entscheidung: Ist Netzladen jetzt wirtschaftlich – und wie viel Platz soll für morgen erwartete PV bleiben?
→ Home Assistant Batteriespeicher automatisch laden: Anleitung
Häufige Fragen
Sollte man einen PV-Speicher nachts aus dem Netz laden?
Ja, wenn der Preisvorteil nach Verlusten groß genug ist und die PV-Prognose den Bedarf am nächsten Tag voraussichtlich nicht deckt. Eine pauschale Ja/Nein-Antwort ohne Prognose ist zu grob.
Ist ein hoher Ziel-SOC immer besser?
Nein. Je höher das Netzlade-Ziel, desto weniger Platz bleibt für Solarstrom. Deshalb sollte das Ziel dynamisch auf Prognose und Verbrauch reagieren.
Kann der Akku dadurch stärker verschleißen?
Zusätzliche Ladezyklen können den Speicher stärker beanspruchen. Ob sich das wirtschaftlich lohnt, hängt deshalb auch vom Speichersystem, dessen Garantiebedingungen und deiner Nutzung ab.