Eine Heizkurve wird nicht dadurch gut, dass man irgendeinen Tabellenwert übernimmt. Wir beobachten im eigenen Haus Außentemperatur, Vorlauf, Rücklauf und Raumtemperaturen – und verändern die Regelung Schritt für Schritt.
UNSER TESTFELD
Was bei uns tatsächlich läuft
Ein Einfamilienhaus von 2011 mit rund 160 m². Etwa drei Viertel der Fläche werden über Fußbodenheizung beheizt, zusätzlich gibt es vier Räume mit Heizkörpern. Wärmeerzeuger ist eine Viessmann-Gastherme; Warmwasser wird zusätzlich durch Solarthermie unterstützt.
Die Heizungsdaten werden in Home Assistant zusammengeführt. Dadurch sehen wir nicht nur, ob es warm wird, sondern auch, wie die Anlage dafür arbeitet.
WIR BEOBACHTEN
Die entscheidenden Werte
Außentemperatur
Vorlauf- und Rücklauftemperatur
Raumtemperaturen
Brennerstatus und Modulation
Pumpenleistung
Warmwasser- und Solarzyklen
So lässt sich eine Änderung der Heizkurve im Zusammenhang beurteilen statt nur nach Gefühl.
ECHTE HOME-ASSISTANT-DATEN
So sieht unsere Heizung in der Praxis aus
Diese Ansicht stammt direkt aus unserem laufenden Home-Assistant-System. Sie zeigt keine Beispielwerte und kein Mockup, sondern eine reale Momentaufnahme aus unserem Haus.
Zu sehen sind unter anderem Vorlauf, Rücklauf, Raumtemperatur, Spreizung, Solarthermie, Pumpenstatus sowie die zu diesem Zeitpunkt eingestellte Heizkennlinie. Solche Momentaufnahmen sind hilfreich – richtig spannend werden aber erst die Verläufe über viele Stunden und Tage.
Wichtig: Die Werte im Screenshot gehören genau zu diesem Aufnahmezeitpunkt. Sie sind keine Sollwerte für andere Häuser und auch nicht automatisch identisch mit unserer heutigen Einstellung.
Reale Home-Assistant-Ansicht aus unserem Haus: Heizung, Solarthermie, Pumpenstatus und Heizkennlinie.📈 LANGZEITMESSUNG
Was sechs Monate Heizungsdaten wirklich zeigen
Ein einzelner Heiztag kann täuschen. Deshalb schauen wir uns Außentemperatur, Raumtemperatur, Solltemperatur, Vorlauf, Rücklauf, Spreizung, Brennermodulation und Pumpenleistung über Wochen und Monate gemeinsam an.
Im Verlauf erkennt man, ob die Raumtemperatur trotz Wetterwechsel stabil bleibt, wie stark der Vorlauf dem tatsächlichen Heizbedarf folgt und wann Brenner oder Pumpe wirklich arbeiten müssen. Genau solche Zusammenhänge sind für die Heizkurven-Optimierung aussagekräftiger als ein einzelner Menüwert.
Reale Langzeitdaten aus unserem eigenen System: Home Assistant liefert die Messwerte, Grafana macht die Zusammenhänge über mehrere Monate sichtbar. Die angezeigten Werte sind keine pauschalen Sollwerte für andere Häuser.ZUERST LESEN
Worauf wir bei der Heizkurve schauen
Raumtemperatur: Bleibt sie über Wetterwechsel hinweg stabil?
Vorlauf und Rücklauf: Wie viel Temperatur braucht das Haus wirklich?
Spreizung: Was passiert zwischen Vor- und Rücklauf?
ANLAGE VERSTEHEN
Was Brenner und Pumpe verraten
Modulation: Wie stark muss der Brenner arbeiten?
Pumpenleistung: Wann wird wirklich Wärme transportiert?
Verlauf statt Momentaufnahme: Muster werden erst über Tage und Wochen zuverlässig sichtbar.
FELIX-TIPP
Eine gute Heizkurve erkennt man nicht an einem einzelnen kalten Morgen.
Erst der Verlauf über Wochen zeigt, ob die Heizung ruhig arbeitet und die Räume bei unterschiedlichem Wetter zuverlässig ihre Temperatur halten. Deshalb ändern wir kleine Schritte – und beobachten danach. So werten wir die Heizungsdaten in Home Assistant aus →
Messwerte statt Bauchgefühl
Für die Heizkurven-Optimierung vergleichen wir nicht nur einzelne Zahlen. Entscheidend sind Zusammenhänge über die Zeit: Außentemperatur ↔ Vorlauf, Vorlauf ↔ Rücklauf, Raumtemperatur ↔ Heizanforderung sowie Brenner- und Pumpenverhalten. Genau diese Zeitreihen werden während der Heizperiode dokumentiert und hier ergänzt – ohne künstlich erzeugte Beispielkurven als angebliche Messdaten auszugeben.
🐶 Felix sagt: Nicht an fünf Schrauben gleichzeitig drehen.
Wir verändern möglichst nur einen Parameter und beobachten danach mehrere Tage. Gerade eine Fußbodenheizung reagiert träge. Wer morgens die Heizkurve verstellt und mittags schon wieder korrigiert, lernt wenig über sein Gebäude.
1️⃣
Erst einen Ausgangspunkt schaffen
Gewünschte Raumtemperatur festlegen und notieren, wie sich Räume bei milder und kalter Witterung verhalten. Bei uns liegt die Zieltemperatur bei etwa 22 °C.
2️⃣
Neigung verstehen
Wird es vor allem bei stark fallender Außentemperatur zu warm oder zu kalt, ist die Neigung der interessante Stellwert. Kleine Schritte sind wichtiger als schnelle große Sprünge.
3️⃣
Niveau fein korrigieren
Ist es über einen größeren Außentemperaturbereich ähnlich zu warm oder zu kühl, kann das Niveau die gesamte Kurve nach oben oder unten verschieben.
4️⃣
Vorlauf und Rücklauf mitlesen
Die Temperaturen zeigen, was im Heizkreis wirklich passiert. Zusammen mit Raumtemperatur und Brennerverhalten entsteht ein wesentlich besseres Bild als durch einen einzelnen Sollwert.
Unsere aktuelle Heizkennlinie ist kein allgemeiner Idealwert.
Bei WATTZAHLS.DE arbeiten wir derzeit mit einer eher flachen Kennlinie um Neigung 0,6 und Niveau −1 als persönlichem Ausgangspunkt. Das ist ein Wert aus unserem Haus – keine Empfehlung zum blinden Übernehmen. Heizflächen, Dämmung, Hydraulik und gewünschte Raumtemperatur unterscheiden sich von Gebäude zu Gebäude.
Woran wir eine Verbesserung erkennen
Nicht an einer möglichst niedrigen Zahl im Menü. Entscheidend ist, ob die Räume zuverlässig ihre Solltemperatur erreichen, die Vorlauftemperatur nicht unnötig hoch liegt und die Anlage ruhig arbeitet.
Interessant sind deshalb auch längere Verläufe: Außentemperatur gegen Vorlauf, Spreizung zwischen Vor- und Rücklauf sowie Brenner- und Pumpenverhalten.
Was wir ausdrücklich nicht behaupten
Aus Neigung und Niveau allein lässt sich keine seriöse Prozentersparnis für jedes Haus ableiten. Deshalb trennt unser Rechner zwischen der technischen Einstellung der Heizkennlinie und einer frei wählbaren finanziellen Modellrechnung.
Das Ziel dieser Praxisreihe ist, reale Heizperioden zu dokumentieren und daraus nachvollziehbare Erkenntnisse abzuleiten.
🤖 Neu in unserer Home-Assistant-Serie
Wie du Außentemperatur, Vorlauf, Rücklauf, Raumtemperatur, Brenner und Pumpe gemeinsam liest, zeigen wir in Kapitel 24: Heizungsdaten auswerten.